Herbstanfang – Mabon

Herbsttagundnachtgleiche – Mabon 21.-23. September

Die Ernte des Jahres ist eingebracht, die Arbeit des Sommers ist getan. Stille kehrt ein in einer Zeit der Dankbarkeit und der Regeneration. Zum zweiten Mal im Jahr herrscht der besondere Gleichgewichtszustand, bei dem Tag und Nacht gleich lange sind – Alles ist ausgewogen.

Wir befinden uns wieder an einem Wendepunkt. Ab nun werden die Tage kürzer, die Nächte länger. Die Natur zieht sich nach und nach zurück und bereitet sich auf ihren Winterschlaf vor.

Es ist die Zeit, in der wir alle reifen Früchte ernten und uns für die Gaben der Natur bedanken – wir feiern Erntedank.

Es ist ein Fest der Fülle, der Farben und der Fröhlichkeit. Musik und Tanz gehören ebenso dazu, wie das Lachen der Kinder und ein wunderbares Festmahl aus frischen Früchten, Getreide und Nüssen. Auch das Teilen gehört zum Erntedank. Was wir zuviel haben, geben wir anderen, die nicht so viel davon haben. Für uns persönlich ist das Erntedankfest eine gute Gelegenheit um inne zu halten, zur Ruhe zu kommen und um das vergangene Jahr rückblickend zu betrachten. Wir dürfen für alles danken, was uns im vergangenen Jahr geschenkt wurde. Wir danken uns selbst für alles, was wir gearbeitet und geleistet haben. Wir müssen aber auch für den Winter vorsorgen – uns von Belastendem trennen und allem wirklich Notwendigen Bedeutung geben. Es ist die Zeit, die wir zuhause vorm wärmenden Feuer mit einer Tasse Tee verbringen. Es ist die Zeit, in der wir Nachdenken, miteinander Reden, zur Ruhe kommen und ganz in unser Inneres schauen.

Die Natur

Bevor sich die Natur vollständig zurückzieht, zeigt sie sich noch einmal in ganz besonderer Fülle und Pracht. Viele Feldfrüchte gelangen jetzt zur Reife und wir dürfen uns über frische Erdäpfel, Kürbisse, Karotten und Rüben freuen. Auch das Obst wird reif und wir können Äpfel, Zwetschgen, Birnen, und zuletzt den Wein ernten. Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Holunderbeeren versorgen uns mit den wichtigsten Vitaminen, die unser Immunsystem für den Winter stärken. Haselnüsse und Walnüsse sind bereit, unseren Körper mit notwendigen Fettsäuren zu stärken. Es ist aber nicht nur die Zeit des Erntens, sondern auch die Zeit des Verarbeitens, Einkochens und Einlagerns. Wir müssen die Vorräte für den Winter anlegen, damit dieser auch gut überstanden werden kann. Die Früchte werden eingekocht, das Gemüse wird gelagert. Die gesammelten Heilkräuter werden zu Tees und zu Elixieren verarbeitet, die im Winter als wichtige Heilmittel dienen.

Am Ende des Septembers zieht sich die Natur mehr und mehr zurück. Die Blätter beginnen sich zu verfärben, die meisten Pflanzen haben Samen ausgebildet, damit sie den Winter, in dem sie scheinbar absterben, auch überleben. Viele Tiere fressen sich noch einmal voll, legen wichtige Wintervorräte an, oder verabschieden sich in wärmere Erdzonen, um den Winter zu überdauern. Häufig liegt in der Früh ein Nebel über dem Land, es ist kühl und feucht. Es ist die zeit des Altweibersommers, in dem sich die Fäden der Spinnen durch das Land ziehen. Die alles verbrenndende Kraft der Augustsonne ist kaum mehr spürbar. Es ist vielmehr ein goldenes, leicht wärmendes Licht, das uns stärkt. Alles deutet darauf hin, dass uns eine sehr schwere Zeit bevorsteht, die es zu überdauern gilt. Und dennoch zeigt uns der Kreislauf des Jahres, dass es immer wieder weitergeht, dass es kein Leben ohne den Tod gibt und dass alles immer wiederkehrend ist. Wir müssen allerdings lernen, mit den Zeiten zu leben und sie auch wieder verstärkt zu achten.

 

Herbstanfang: Herbst-Tag-und-Nachtgleiche – Mabon

 

Tag und Nacht gleich lang

Dieses Jahreskreisfesten ist eines der 4 anerkannten Sonnenfeste und heißt unter anderem Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche. Als Gegenstück zum Frühlingsanfang wird es um den 21./22. September gefeiert.
Sie sind beides Schwellenfeste, an denen Tag und Nacht genau gleich lang sind und sich die Waage halten.
Wenn man den Jahreskreis auf den Tag überträgt, dann entspricht dieses Fest dem Sonnenuntergang, dem Abendrot und der Dämmerung. Es ist ein Zwischenzustand zwischen Tag und Nacht.
Und jeder weiß, wie schön das sein kann, wie intensiv die Farben eines Sonnenuntergangs sind, das Spannungsfeld zwischen untergehendem Licht und schon heraufkommender Nacht. Und so ist es auch im Herbst, dem großen „Sonnenuntergang des Jahres“.
Man kann deutlich spüren, wenn man sich in diesem Zwischenzustand befindet, auf der Schwelle zwischen Tag und Nacht. Das ist immer auch eine Nahtstelle zur Anderswelt, zu ganz besonderen Gefühlszuständen.

Schwellenfest

Auch im Jahreskreis stehen wir an einer ganz ähnlichen Schwelle: der Sommer geht zu Ende und die dunkle Jahreszeit steht vor der Tür. Wir können in beide Richtungen schauen, in den Sommer zurück und auf die Zeit vor uns.
Die Menschen früher hatten ein ganz deutliches Gefühl dafür, wie wichtig es ist, was man für einen ersten Schritt macht. Dass man sozusagen und übertrage mit dem richtigen Fuß über die Schwelle trat.
Jeder von uns kennt das Gefühl, auf einer Schwelle zu stehen und den 1. Schritt wagen zu müsen in ein Ungewisses hinein, das eher noch im Dunkeln liegt.
Früher hat man Opfer erbracht, um über die Schwelle zu gelangen.
Mit dem falschen Fuß aufzustehen, oder mit mit dem „falschen Fuß“ über die Schwelle zu gehen, konnte ein ganz schlechtes Omen sein. Der „falsche Fuß“ oder „richtige Fuß“ bedeutete die innere Haltung, mit der man hinüberging. Und „Fuß“ war das direkteste Beziehungssymbol für die Muttergöttin und ie Verwurzellung in ihr. War diese Beziehung gegeben, war es immer der „richtige Fuß“.

Das gleiche hat man auch im Frühjahr, kurz vor Ostern – die Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche.

Da ist es begleitet von starker Freude, weil man weiß und spürt, dass jetzt das Frühjahr und der Sommer kommt. Eine Zeit der Fülle, Wärme, Unbeschwertheit und Leichtigkeit…

Im Herbst ist das oft anderes.
Es ist zwar eigentlich ein großes Erntedankfest, begleitet von ausschweifenden Feierlichkeiten.
Ein Dankfest für alles, was die Göttin einem den Sommer über beschert und geschenkt hat.
Aber bei vielen Menschen schleichen sich auch mulmige Gefühle ein, vor allem Angst.
Angst vor der dunklen Zeit, Angst vor Verlust, Angst vor Schmerz, Angst vor den eigenen tiefern Gefühlen, …..

Wenn man auf den Sommer schaut, dann fällt einem nicht die Angst ein!
Was soll einem im Sommer schon passieren!
Diese Schwelle übertritt man leichten Fußes!

Ganz anders geht es einem mit der Schwelle im im Herbst.
Im Herbst, wenn man auf den Winter schaut, da spürt man Schwere und Zögern.
Da hat man das Gefühl, in dieser Zeit könnte viel passieren, man könnte sogar sterben.
Das ist ein tief verwurzeltes Gefühl, wie eine Art Instinkt, dass man einen heiden Respekt hat vor dieser Zeit.
Ein Gefühl, dass diese Zeit tiefer und schwerer ist.
Nietzsche würde sagen: „Tiefer als der Tag gedacht.“
Wobei die Sommerhälfte den Tag repräsentiert im Jahreskreis.
Und wenn wir auf die dunkle Jahreshälfte schauen, auf die Jahresnacht, die „dunkle, dunkle Mitternacht“ nach Nietzsche, die tiefer als der Tag gedacht, dann fällt uns auch die Adventszeit ein und Weihnachten, die wohl seelischste Zeit überhaupt.
Im Sommer geht alles nach außen, aber im Winter gehen wir wieder nach Innen, ins Reich der Erdmutter, wie die Samenkörner, wie Mabon, nachdem dieses Fest auch benannt ist.

Erntedankfest

Zu matriarchalen Zeiten wurde dieses Erntedankfest besonders geachtet und gefeiert. Es dauerte bis zum ersten Vollmond nach dem Fest.
Mit dem Erntedank verband sich früher auch die Ehrerbietung an die Ahnen und die Besänftigung der dämonischen Kräfte. Die besten Früchte der Ernte wurden den Göttern, den Ahnen oder der Natur geopfert. Damit verliehen sie der Bitte Ausdruck, daß das nächste Jahr ebenfalls wieder fruchtbar werden möge.
Dabei galt eine besondere Achtung den ersten drei Pflanzen, Ähren und Früchten und den letzten drei. Diese Opfer wurden auf den Feldern gelassen.

Es gab viele unterschiedliche Feste, je nachdem, was geograpfisch so geerntet wurde: Kartoffelernte mit den großen Kartoffelfeuern, dann Weinlese und Weinfeste, Apfelernte, Nußernte usw.

Mabon

Im Keltischen wird das Fest auch „MABON“ genannt.
Mabon war der walisische Sohn der Muttergöttin Modron, der Erdmutter und Schutzherrin der „Anderswelt“.
Mabon bedeutet „Großer Sohn“. Sein Vater war Mellt (=Blitz), der mit seinen Blitzen die Erde befruchtet und seinen Sohn zeugte.
Von der Geschichte her war es so, dass der kleine Mabon verschwand, als er nur drei Nächte alt war. Modron, die Erde, litt darunter furchtbar.
Überall wurde nach ihm gesucht. Und zuletzt fanden ihn drei Tiere, nämlich Amsel, Hirsch und Eule in der Anderswelt – der Bauchhöhle der Mutter Erde.
Ein ganz ähnlicher Mythos wie der von Kore, die Tochter der Demeter, oder wie bei Dionysos ihrem Helden. Und später dann sogar bei Jesus selbst, der nach 3 Tagen wieder auferstand.
Diese Anderswelt als Höhle oder Unterwelt ist ein verzauberter Ort, aber auch ein Ort der Herausforderung. Und nur an einem solchen Ort konnte der Sohn der Erde wiedergeboren werden als Sohn des Lichts.
Der griechische Gott des Lichts ist APOLLON. Und er trägt einen Beinamen, der Mabon in sich trägt: APOLLON-MAPONOS.
Auch Maponos bedeutet „Großer Sohn“. Im Walisischen wurde aus dem „p“ in Maponos einfach ein weiches „b“.